Heidenheim-Aufstieg in die Bundesliga wäre ein Wunder

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Heidenheim-Aufstieg in die Bundesliga wäre ein Wunder


Seine Sternstunden als Aktiver sind rar. Von einer aber zehrt Frank Schmidt bis heute. 1994 trifft er mit dem damaligen Viertligisten Vestenbergsgreuth im Cup auf den deutschen Meister. Der heisst, wie er scheinbar immer heisst: FC Bayern. Im Mittelfeld führt Lothar Matthäus Regie, Schmidts Vorbild. Und ausgerechnet «Loddar» beglückt Schmidt unfreiwillig, wie der dem Magazin «11Freunde» verriet: «Der Schiri gab Freistoss, und Lothar rief: ‹Frank, gib den Ball her.› Unglaublich, der kannte meinen Namen. Da war ich gleich einen halben Meter grösser.» Schmidt gewinnt gegen Weltmeister Loddar gar 1:0. Epochal!

Von der 4. in die 1. Liga?

Mit demselben Attribut müsste beschrieben werden, sollte der 1. FC Heidenheim den SV Werder Bremen heute in der Barrage in die Zweitklassigkeit stürzen – und sich selbst in die 1. Bundesliga heben. Ein 1:0 würde nach dem 0:0 im Hinspiel reichen. Es wäre die Krönung eines fast beispiellosen Aufstiegs.

Der beginnt 2007. Damals übernimmt Schmidt nur wenige Wochen nach seinem Aktiv-Rücktritt den Job interimsweise. Er muss bekniet werden. Heidenheim dümpelt da in der viertklassigen Oberliga Baden-Württemberg. «Damals hat Präsident Holger Sanwald gesagt: ‹Mach das mal für zwei Spiele.»

«Machs mal für zwei Spiele»

Aus zwei Spielen werden mehr als 450, aus zwei Wochen werden knapp 13 Jahre. Inzwischen ist Schmidt dienstältester Trainer im deutschen Profifussball – und das in seiner Heimat. Schmidt, gelernter Bankkaufmann, in seiner Blüte Zweitliga-Profi in Aachen, wird im Januar 1974 nur wenige Meter vom Stadion entfernt geboren.

Ins Bewusstsein vieler Fans rückt er 2013 durch eine Trainer-Doku, in der er und andere Jung-Trainer beleuchtet werden. Schmidt sticht heraus – als harter, aber herzlicher Trainer, bodenständig, direkt, durchaus mit Schalk und nicht zuletzt: gerissen. Ex-Spieler Florian Niederlechner, heute Profi in Augsburg, sagt: «Er weiss, wie er Spieler anpacken muss, und ist menschlich ein überragender Typ.»

Druck? Kennt er nicht

Eine Verknöcherung zwingt ihn dazu, seinen Kopf zur rechten Seite zu neigen. Was ihn früher genervt habe, wie Journalisten berichten, begreift er heute als Markenzeichen. Und vor einem erlitt der Vater zweier Teenager-Töchter eine Thrombose. Sie habe ihn nachdenklicher gemacht, ruhiger, sagt er. «Meine Frau ruft mich nicht mehr ganz so oft Teilchenbeschleuniger.» Energisch sei er aber nach wie vor.

Und voller Pläne – auch abseits des Rasens. Sollte er die Lust am Trainerjob verlieren? Kein Problem. Dann erwägt er, mit einem Kumpel eine Bar zu eröffnen. «Er träumt von einer Café-Bar. Ich bevorzuge Tapas», sagt Schmidt zu «11Freunde».

Die Gegenwart aber heisst Barrage, Werder, 1. oder 2. Liga. Nervös? Schmidt: «Druck hat der Milchmann.»

Er spricht mit der Gelassenheit des Trainers, der weiss, dass er ohnehin schon Gewinner ist. Und der längst Begehrlichkeiten von grösseren Klubs geweckt hat.

Lothar Matthäus ist wohl kaum überrascht.



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